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Stilarten der Country Music

So, wie vor einigen Jahren der o.A. Begriff auf „Country“ als „Überbegriff“ reduziert wurde, scheint man heute sogar z.T. dahin geneigt (zumindest hier in Deutschland), den Begriff „Country“ durch moderne Ausdrücke, wie z.B. „New American Music“ ersetzen zu wollen.

Wer den Ausdruck „Country & Western“ überhaupt geprägt hat – und wann das geschah, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit feststellen. Nicht gemeint ist damit sicherlich der „Western – Swing“, jener Musikstil der 30er bis 50er Jahre im Südwesten der USA, der in einem anderen Kapitel betrachtet werden soll. Mit der „Western – Music“ war vielmehr die Stilrichtung der „Cowboy-Music“ gemeint, die sich ja von der Musik der östlichen Landesteile der USA, der sogenannten „Hillbilly-Music“ ziemlich unterschied.

Allerdings muss man beachten, dass sich hier zwei doch relativ unterschiedliche Stile „in einem Topf wiederfanden“ und „miteinander vermischt wurden“.

Erstens:

war da zum Einen die authentische Musik der Cowboys, die weniger der Unterhaltung diente, sondern dem täglichen „Arbeitsgebrauch“, z.B. die „Cattle-Songs“, die aber nicht nur, wie immer behauptet, beruhigend auf die Herde einwirken sollten, sondern auch den anderen Cowboys signalisierte, dass „die Wache“ nicht auf dem Pferd eingeschlafen, oder Sonstiges passiert sei. Natürlich gehörten aber auch die alten Volkslieder, die von den Cowboys gesungen wurden, dazu.

Dann kam nach dem Bürgerkrieg (1865-90), als der Viehtrieb der großen Herden begann, eine Art musikalische Berichterstattung – ähnlich der Gesänge der Bänkelsänger des Mittelalters – hinzu. Die „Storyteller“, die ihre Songs zur Unterhaltung der restlichen Bevölkerung vortrugen.

Die meisten Texte der Cowboylieder stammen aus anonymen Quellen, andere wurden von den Cowboys selbst erfunden, wie z.B. „The Old Chisholm Trail“, dessen kurze Strophen vermutlich sogar in Zusammenarbeit mehrerer Cowboys im Sattel entstanden.

Doch sind solche Songs die Ausnahme. Die meisten Lieder erzählen Geschichten über den Cowboy, bzw. sein Umfeld, dabei wurde oft auf bekannte Melodien zurückgegriffen. So gibt es etliche Textversionen von Songs, die auf einer Melodie basieren, z.B.: „Dakota Land > „Missouri Land“, „Nebraska Land“ , basierend auf der Melodie von: „O Tannebaum…“ ; „The Cowboy´s Dream“ > „My Bonnie Lies Over The Ocean“ ; „Poor Lonesome Cowboy“ > „Yo No Tengo Padre…“ ; „My Home Is In Montana“ > „Streets Of Laredo“ ; „Ol´ Texas“ > „Burry Me Not On The Lone Prairie“ u.v.m..

Zweitens kamen später dann noch die „Western-Songs“, wie sie sich Hollywood und die New Yorker „Tin Pan Alley“ vorstellten, hinzu. Romantisierte Lieder, getextet und komponiert von professionellen Songwritern, die textlich oft meilenweit von der Wirklichkeit entfernt waren!

Als die Tonfilme – 1927 – die bis dato Stummfilme ablösten, begann ab 1934 mit dem Film „In Old Santa Fe“ die Blütezeit der „Western-Filme“ und der singenden Cowboys. Zwar spielte schon in diesem Streifen GENE AUTREY mit, aber der Sänger in dem Film war KEN MAYNARD! Erst im nächsten Film, Tumbling Tumbleweeds„, der von der Firma „Republic Pictures“ produziert wurde, durfte GENE AUTREY dann auch selber singen.

Der letzte Film dieses Genres war 1954 „The Phantom Stallion“ mit REX ALLEN.

Im 19. Jahrhundert waren hauptsächlich die Fiddle und das Banjo die bevorzugten Instrumente. Guitarre und Mundharmonika kamen eigentlich erst durch die Filmmusik so richtig dazu. Entstanden sind die traditionellen Cowboysongs durch das Zusammentreffen der Volkslieder der einzelnen Bevölkerungsangehörigen. Immerhin gab es unter den Cowboys nicht nur „Weiße“ mit (überwiegend) britischen oder irischen Vorfahren, sondern auch „Rote“, also : Indianer, sowie Mexicaner, Mestizen, ja sogar „Schwarze“ und „Gelbe“ (Hawaiianer, Chinesen) Cowboys hat es gegeben.

So entstand z.B. aus einem alten englischen Volkslied „A Dainty Duck“ , das seit ca. 1650 bekannt war, der Cowboy-Song „The Old Chisholm Trail“ und aus einem anderen, seit ca. 1790 bekannten Volkslied „The Unfortunate Rake“ der Cowboy-Song „Streets Of Laredo“. Auch das bekannte „Burry Me Not On The Lone Prairie“ basiert auf einem alten Gedicht „The Ocean-Burried“ von Edwin Hubbell Chapin aus 1839, textlich abgewandelt und in Musik gesetzt von Jemand, dessen Name in Vergessenheit geriet.

In Vergessenheit geraten sind meistens die Namen der Songwriter der „Cowboy Songs“ obwohl bereits 1889 ein Cowboy aus New Mexico: N. HOWARD „JACK“ THORP anfing, diese Songs „zu sammeln“. Er arbeitete in verschiedenen „Cow – Camps“ in New Mexico und Texas und 1908 ließ er auf eigene Kosten seine „gesammelten Werke“ in einem kleinen Buch „Songs Of The Cowboys“, das 23 Liedtexte ohne Noten enthielt, im „News Print Shop“ in Estancia,N.M. drucken. Darin enthalten waren auch einige eigene Songs, von denen auch heute noch zumindest Einer durch die Version von MARTY ROBBINS sehr bekannt wurde: „Little Joe, The Wrangler“, den Thorp 1898 während eines Trails schrieb.

Das wohl bekannteste „Cowboy-Song Buch“: „Cowboy Songs And Other Frontier Ballads“ wurde erstmals 1910 veröffentlicht; herausgegeben von einem „Nicht-Cowboy“, aber Texaner: JOHN A. LOMAX. Diese erste Ausgabe wurde von ihm weiter vervollständigt und als 2. Auflage 1916 neu herausgegeben. Die 3. Auflage erschien 1938 in nochmals erweitertem Umfang. Dieses Buch ist auch heute noch erhältlich!

Weitere „Cowboy – Song Bücher“ sind: „Sun And Saddle Leather“ , Verlag Westeners Intern., Tucson,AZ, sowie: „Singing Days“, Verlag Ginn & Co, Lexington,Mass.

In Deutschland erschien 1982 ein Taschenbuch mit dem Titel: „Das Cowboyliederbuch“, herausgegeben von DON PAULIN im dtv-Verlag, München. In diesem Buch (ob noch erhältlich, ist mir nicht bekannt) werden diverse „Cowboy-Songs“ in Originaltext, dt. Übersetzung und Noten vorgestellt.

Der erste „Cowboy-Song“, der gesungenauf Schallplatte gepresst wurde, war der am 05. August 1925 von CARL T. SPRAGUE aufgenommene Song „When The Work´s all Done This Fall“. Die Platte wurde in über 900.000 Exemplaren verkauft!

In den 20er und 30er Jahren wurden „Cowboy-Songs“ u.A. von: VERNON DALHART, JULES VERNE ALLEN, GEORGE RENEAU, ERNEST V. STONEMAN, BRADLEY KINCAID, CARSON ROBINSON, PATSY MONTANA und vielen mehr auf Platte aufgenommen.

Auch das Radio, das in den 20ern begann, tat viel dazu bei, diese Musik im ganzen Land populär zu machen!

Bevor die „Western-Movies“ mit den „singenden Cowboys“ 1954 entgültig in der Versenkungverschwanden, war aber bereits das nächste Medium präsent – das Fernsehen! Dieses begann (in den USA) bereits 1949 mit „Western-Serien“! Die erste war „Hopalong Cassidy“ , die wohl berühmteste war „Bonanza“!

Bei den „originalen Cowboys“ wurde aber nicht nur bei der Nachtwache gesungen, sondern auch zur Unterhaltung, abends im Bunkhouse oder am Trailfeuer.

Die meisten Cowboys tanzten auch gern, aber fast immer fehlten die geeigneten Damen dazu. Dann tollten die Männer allein miteinander herum und mit Händeklatschen, Fußstampfen und Fingerschnalzen wurden die Fiddle oder das Banjo begleitet.

Die alten Fiddle-Melodien wie: „Old Rosin The Beau“ oder „Turkey In The Straw“, waren die wohl beliebtesten Songs. Mit diesen Liedern wurde bereits der Grundstock für eine andere, spätere Sparte der „Countrymusic“ gelegt, dem „Western-Swing“ (der in einem anderen separaten Artikel noch behandelt werden wird).

Wie in einer fast reinen Männerwelt üblich, liebte der Cowboy in seinen Erzählungen und natürlich auch in seinen Songs – die Übertreibung! Besonders, wenn Neulinge oder Fremde dabei waren, für die es dann gar nicht so einfach war, jetzt zwischen Wirklichkeit und „Großspurigkeit“ und Prahlerei zu unterscheiden. Dazu kam noch, dass die „Cowboy-Sprache“ durchsetzt war mit zahlreichen Ausdrücken mexicanischer Herkunft.

Sehr viele der Songs sind im ¾ Takt – man vermutet heute, dass der Grund dafür in der Gangart der Pferde liegen könnte. Fast alle der Songs sind in Dur-Tonarten geschrieben. Der Grund dafür ist nicht ganz offensichtlich – war es nur deswegen, weil sich diese Tonarten leichter spielen und singen ließen? Oder war es, weil den Cowboys die Moll-Tonarten zu „traurig“ vorkamen?

Viele der Songs sind bis in die heutige Zeit populär, eines wurde sogar zum Lieblingssong eines amerikanischen Präsidenten. Das war „„Home On The Range“ und der Präsident hieß: FRANKLIN D. ROOSEVELT!

Manche der Songs befassten sich aber auch kritisch mit Geschehnissen, wie z.B. „The Buffalo Skinners“, der das Abschlachten der Büffel aus reinem Profitstreben anprangert und gleichzeitig darauf hinweist, wie damit die Lebensgrundlage der Prärie-Indianer zerstört wurde.

Andere, wie z.B. „Git Along, Little Dogies„, weisen auf die Härte des Lebens im Westen hin. Manche beschäftigen sich auch mit den legendären Banditen des Westens: „Sam Bass“, „Cole Younger“, „Jesse James“, „Charlie Quantrell“ und „Billy The Kid“ sind einige Beispiele dafür.

Wieder andere Songs, wie z.B. von MARTY ROBBINS, verbinden die „Cowboy-Songs“ mit der „Tex-Mex Music“ („Tonight Carmen“, „Ave Maria Morales“, „San Angelo“, „Johnny Fedavo“, „Meet Me Tonight In Laredo“ oder „Bound For Old Mexico“) sind Beispiele dafür, aber sein wohl berühmtester Song dürfte „El Paso“ geworden sein, der ja dann noch durch die beiden weiteren Songs „El Paso City“ und „Feleena (from El Paso)“ quasi zu einer Song~ und Story-Trilogie erweitert wurde.

Mit der „Rock `n´ Roll Music“ begann der Stern der „Western Music“ zu sinken, um dann 1985, hauptsächlich auf Veranlassung von MICHAEL MARTIN MURPHEY bei WARNER BROTHERS eine „Neubelebung“ der „Cowboy-Music“ durch eine eigene „western division“ : „Warner Western“ zu erfahren. Auch durch seine eigenen „WestFests“ gewinnt er neue Freunde für diese „Alte, aber ewig Junge Musik“ !

Cowboy~ oder Westernsongs wurden von vielen bekannten und unbekannteren Interpreten auf Tonträger aufgenommen, einige sogar von echten Cowboys. Einige bekannte Interpreten sind, bzw. waren:

A – Traditionelle:

Ken Carson (Sons of the Pioneers), Tex Owens

Wilf Carter Marty Robbins

Johnny Cash Tom Russell

Don Edwards Sons Of The Pioneers

Lorne Green Red Steagall

Frankie Laine Hank Thompson

Waddie Mitchell Johnny Western

Patsy Montana Sheb Wooley

B – Die „Film – Cowboys“

Rex Allen 31.12.1920 – 17.12.1999

Eddy Arnold 15.05.1918

Gene Autrey 29.09.1907 –02.10.1998

Tex Ritter 12.01.1905 – 02.01.1974

Roy Rogers 05.11.1911 – 06.07.1998

C – Rodeo Cowboys:

Chris LeDoux Glenn Ohrlin

D – Moderne:

Charlie Daniels Riders In The Sky

Stephanie Davies Ian Tyson

Michael Martin Murphey Andy Wilkinson

Diese Aufzählung enthält keinen Anspruch auf Vollständigkeit, es wurden nur einige Interpreten als Beispiele genannt, weitere Interpreten sind auch im Text mit aufgeführt!

Dieter Mühlena

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