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Western Swing

Man kann ihn getrost als Erfinder des Western Swing bezeichnen: BOB WILLS.

Zwar gab es vor ihm schon andere Bands in der Region, die dem Namen nach bekannt waren und die später dann auch so spielten, aber BOB WILLS  war es, der Elemente des New Orleans Jazz, des Blues und bodenständige Fiddlemusic und Tex-Mex-Klänge miteinander verband. Aber das war nicht unbedingt das Ausschlaggebende, es war die Instrumentierung der Band bzw. der Einsatz der Instrumente, wie es dann in den späteren Jahren der Fall war.

Am Anfang seiner Karriere spielte er, genau wie alle anderen Bands der Region in herkömmlicher Besetzung, also: Fiddle, Guitarre und/oder Tenor-Banjo, Steelguitar  eventuell noch Mandoline  und Bass. Erst nachdem er in Tulsa gelandet war, wo man zunächst noch in kleiner Besetzung beim Sender KVOO  begann, baute er seine Band immer weiter aus. Das wohl revolutionärste aber war die Verschmelzung einer herkömmlichen Stringband mit den Blasinstrumenten! Erst nachdem er damit Erfolg beim Publikum hatte, begannen die anderen Bands es ihm gleich zu tun und so entstanden innerhalb kurzer Zeit aus vielen kleinen Stringbands mehr oder weniger große  „Western-Swing  Bands“.

Diese Entwicklung wurde durch Umstände, die eigentlich nichts mit der Musik zu tun hatten, gefördert. Die Landwirtschaft, die während der Kriegsjahre (1. Weltkrieg) einen ungeheuren Aufschwung erlebt hatte, musste gegen Ende des Jahres 1920 einen Niedergang erleben, von der sie sich nicht mehr erholte. Fast zur gleichen Zeit (1919) wurde nach fast einem Jahrhundert erregter Debatten das Alkoholverbot zum Gesetz erhoben. Das führte aber nur zum Entstehen von Tausenden geheimer Ausschankstellen und eröffnete Schwarzbrennereien und Alkoholschmugglern einträgliche Erwerbsquellen. (Dieses Thema ist in unzähligen Country-Songs behandelt worden.). Die allgemeine Weltwirtschaftskrise nach 1930 und große Dürreperioden in den dreißiger Jahren in den Ebenen des Mittleren Westens, führte dort zu einer regelrechten Landflucht. Fast gleichzeitig begann in Texas der  „Ölboom“,  die Prohibition wird (allerdings nicht in Allen Gebieten)  1933 wieder aufgehoben. Es entstehen die  „HONKY  TONKS“ und die großen „Ballsäle“. Das Medium TV gab es noch nicht und die Arbeiter wollten am Wochenende etwas erleben! Sowohl in den  Honky-Tonks, als auch in den Ballsälen, brauchte man Musik mit einer gewissen Lautstärke. Dieses förderte zum Einen die  „Elektrifizierung“  der Instrumente, zum Anderen aber auch die Größe der Bands.

Es begann Alles – eigentlich ganz normal – in  FORT  WORTH,Tx. , als Bob Wills, der vorher schon im Duo mit dem Guitarristen  Herman Arnspiger  zusammengespielt hatte, den Sänger Milton Brown und kurze Zeit später dessen Bruder Derwood in die Band holte. Zunächst als  „Aladdin Laddies“ , später als  „Light Crust Doughboys“, bis die Brüder Brown wieder ausschieden und Bob Wills, von  W. Lee O´Daniel  gefeuert, seine „TEXAS  PLAYBOYS“  gründete. Eine weitere Band wurde zu der Zeit von Bill Boyd geleitet. Der Durchbruch kam dann ab 1934, als Bob Wills in  TULSA,Oklahoma täglich beim Sender KVOO spielte und für Columbia Platten aufnahm.

Schon zu der Zeit bildeten sich viele andere Bands nach seinem Vorbild. Die typische Besetzung einer  „Western-Swing  Band“  bestand aus: mindestens 2 Fiddlern, Guitarre (und/oder) Tenor-Banjo, Bass, Piano, Drums, Trompete und Saxophon. Bob Wills hatte in seiner Band zwischen 1935 und 1941 teilweise 13 bis 16 Musiker! Da seine Story aber bereits in einem separaten Artikel geschrieben wurde,

>>> BOB WILLS <<<  möchte ich hier einmal auf die anderen Bands und die Musiker jener Zeit näher eingehen. Die Ersten, die seinen Stil kopierten, waren diejenigen, die zuvor mit ihm zusammen gearbeitet hatten. Also: Milton und Derwood Brown und die dann (nach Wills Ausscheiden) von O´Daniels neu zusammen gestellten „Doughboys“. Die meisten der Bands entstanden dadurch, dass einer oder mehrere Bandmitglieder  „ausstiegen“  und sich selbständig machten. Oftmals spielten die Musiker auch nacheinander in mehreren Bands, bevor sie eine eigenen Band gründeten. So findet man viele der bekannten Musiker mal in dieser, mal in jener Band. Bekannte Bands dieser Jahre (1935 – 1960) außer Bob Wills and his Texas Playboys waren:

Milton Brown and his Musical Brownies,

Light Crust Doughboys (unter W.Lee O´Daniels nach Bob Wills Ausscheiden),

Tex Williams Western Caravan,

Spade Cooley´s Western Swing Band,

Tommy Duncan´s Western All Stars,

Leon McAuliffe´s Cimarron Boys,

 

 

Bill Boyd´s Cowboy Ramblers,

Cliff Bruner´s Texas Wanderers,

Leon Rausch´s Texas Panters,

Hank Penny´s Radio Cowboys,

Hoyle Nix West Texas Cowboys,

Johnny Lee Wills & His Boys,

Luke Wills Texas Playboys Number 2,

Billy Jack Wills Western Swing Band,

Don Walser´s Texas Plainmen,

The Tune Wranglers,

Modern Mountaineers,

Luke Wills Rhythm Busters,

Shelton Brothers,

Hank Thompson´s Brazos Valley Boys,

Wade Ray Western Swing Band,

Leon  „Pappy“ Selph´s Blue Ridge Playboys,

Clyde Chesser´s Village Boys,

„Papa“  Sam Cunningham´s Crystal Springs Ramblers,

Lone Star Cowboys,

Alexanders Daybreakers,

Bob Dunn´s Vagabonds

Paul Howard´s Western Swing Band,

Ray Whitley´s Western Swing Band,

Herb Remington´s Beachcombers,

Clyde Brewer´s Original River Boys,

und viele mehr*

(*die o.a. Reihenfolge ist willkürlich, also weder nach Zeit, noch nach sonstigen Kriterien geordnet!).

Musiker gab es natürlich sehr viel mehr, als heute noch bekannt sind, aber immerhin kommt man beim Nachzählen doch noch auf die stolze Summe von über 86 Musiker und Sängern aus den o.a. Bands. Diese alle hier namentlich aufzulisten, dürfte wohl von wenig Interesse sein. Aber, wenn man mit berücksichtigt, dass einige von ihnen mehrere Instrumente spielen, kommt man doch zu ganz interessanten Zahlen. So stellen die „fiddle-player“ mit 24 Musikern das stärkste Kontingent, gefolgt von 21 „guitar-playern“, 10 tenor-banjo Spieler, 8 Bassisten, jeweils 7 Pianisten und Steeler (darunter Bob Dunn, der als erster Steeler  sein Instrument elektrisch anschloss!). Bei den  „Bläsern“  sieht das Ergebnis nicht so gut aus; hier konnte ich lediglich 3 Saxophonisten, 1 Clarinettisten, 2 Trompeter und 1 Posaunisten ausfindig machen, die noch heute namentlich aufgeführt sind. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass es nicht möglich sein könnte, noch mehr Namen in Erfahrung zu bringen! Bekannte Songwriter unter den Musikern waren, außer Bob Wills: sein Bruder   Billy Jack Wills, Tex Daffan, Tommy Duncan, Red Steagall und Don Walser.

Nachdem die große Zeit der Western Swing Bands schon der Geschichte angehörte, gab es noch mal ein Wiederaufleben des Interesses an dieser Musik und sogar neue Bands bildeten sich.

Eine dieser  „Western Swing Revival Bands“  besteht immer noch und hat auch heute noch viele Freunde, nicht nur in den USA, sondern auch hier in Deutschland. Bereits vor Jahren waren sie mehrmals in deutschen Country-TV Shows und wie man hört, bestehen sogar Pläne, die derzeitige Tournee mit Bob Dylan, die in den USA sehr erfolgreich verläuft, um 2 Konzerte in Deutschland zu erweitern! Genaueres ist mir aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt!

Die Band besteht inzwischen – nach über 30 Jahren und wechselnden Besetzungen – immer noch.

Es handelt sich um die 1969 von Ray Benson Siefert und Reuben Gosfield  gegründete Band :

ASLEEP  AT  THE  WHEEL.

 

Zurück zu der damaligen Zeit:

Nach dem Start des Fernsehens Anfang der 50er Jahre verloren die großen Dance-Halls an Bedeutung, das neue Medium faszinierte eben mehr. Einige Jahre noch ging es leidlich gut, aber mit dem Aufkommen des  Rock`N`Roll  war dann endgültig das Aus gekommen und bis Mitte der 60er Jahre war die Aera des  Western Swing  schon Historie!

 

Sogar Chat Atkins versuchte sich zusammen mit Dale Potter und Homer & Jethro am Western Swing mit Titeln wie „Stompin´ At The Savoy“ und  „Marie“ (von Irving Berlin).

Anfang der 70er gab´s dann ein Revival, mit ausgelöst durch  Merle Haggard´s  Tribute Album an Bob Wills: „A Tribute To The Best Damn Fiddler…“  und dem Erfolg von Bob Wills  letztem Album, aufgenommen 1973: „For The Last Time“, für das er sogar einen Grammy  bekam!

Heute sind außer Asleep At The Wheel  und  George Strait noch Comander Cody & His Air Men, Charlie Daniels Band und James Talley die bekanntesten neuen Vertreter des  Western Swing.

Dieter Mühlena

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