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Chris Ledoux

geboren am 02.10.1948 in Biloxi, Mississippi
gestorben am 09.03.2005 in Casper, Wyoming

Mit Chris LeDoux starb jetzt einer der wohl bedeutendsten heutigen Vertreter eines Country-Music Stils, der bei vielen deutschen Freunden der Country-Music, vor Allem der heutigen, modernen Country-Music, nicht so sehr in Mode war! Bedingt wohl auch durch den „Streit der Experten“, ob diese Stilrichtung überhaupt zur Country-Music dazu zu rechnen werden dürfe – denn die Gegner dieses Stils argumentieren ja damit, daß es keine „originale“ Cowboymusik in der ursprünglichen Country Music gegeben hat!
Das mag zwar sein und unbestreitbar ist auch, daß die „Westernmusic“ von der Filmindustrie in Hollywood quasi „erfunden“ wurde, um die in der damaligen Zeit „am Fließband“ hergestellten B-Western Filme zu untermalen.
Obwohl, wie der Autor/Herausgeber des Buches „Das Cowboyliederbuch“ (dtv 10048, ISBN 3-423-10048-6, Nov. 1982) DON PAULIN ( Schriftsteller, Songwriter, Sänger und studierter Soziologe und Psychologe, geb. 10.11.1929 in Philadelphia, Pennsylvania) schreibt: „Aber eins konnte der Cowboy: singen. Manche Songs machte er selbst, manche stammen von Dichtern oder anderen, die vom Cowboyleben begeistert waren … manche scheinen `einfach gewachsen zu sein wie das Gras der Prärie´… usw.“ Und daß diese, Paulin´s Meinung quasi auch durch den bekannten amerikanischen „Folksong-Sammler“ John A. Lomax gewissermaßen belegt werden kann und daß bereits lange vor der Zeit der „Filmmusik“ Songs bestanden und entstanden, die sich mit dem „wilden Westen“ beschäftigten, lässt sich nun wirklich nicht abstreiten!
Bedeutende Interpreten dieser „Film-Cowboy Romantik“ waren Gene Autrey, Tex Ritter und Andere. Später – in den 50er/60er Jahren hatte dann Marty Robbins mit seinen „Wild-West Balladen“, die z.T. seiner eigenen Feder entstammten, wie z.B. die „El Paso – Trilogie“ usw. große Erfolge aufzuweisen.
Ein neuerer, modernerer und teilweise auch rockigerer Interpret dieser Stilrichtung war Chris LeDoux. Auch er schrieb überwiegend seine Songs selber und er wusste genau wovon er in seinen Songs erzählte! Denn schließlich war er nicht nur Sänger/Songwriter, sondern auch ein mehrfach ausgezeichneter Rodeo-Reiter und er war auch selber Rancher!
Mit dem Singen und dem Songwriting begann er, als er in der Rodeo-Szene noch nicht so bekannt war. Er nahm Audio-Cassetten auf, verkaufte sie an die Zuschauer um sich, zumindest am Anfang, ein „Beibrot“ zu verdienen.
Sein Vater war Pilot bei der Air Force und die Familie mußte mehrere Male dadurch bedingt umziehen. Von seinem Geburtsstaat Mississippi aus ging es zunächst nach Texas und später dann nach Wyoming. Durch wen Chris zum Rodeo kam, ist nicht überliefert, aber bereits im Alter von 13 Jahren nahm er zum 1. Mal in Denison, Tx. an einem Rodeo als Reiter teil. Das schien ihm so gut zu gefallen, daß er dabei blieb und schon bald als Gewinner aus Nachwuchswettbewerben hervorging. Seine Familie zog wieder einmal um, als er auf der Highschool war. Diesmal war Cheyenne, WY. Das Ziel und auch dort setzte er das einmal Begonnene fort. Nachdem er die Schule mit Erfolg beendet hatte, gewann er das „Wyoming State Rodeo Championship“. Das brachte ihm ein Sport-Stipendium am Caspar College ein. Seine weitere Ausbildung als Rodeoreiter (Studium!) machte er in Sheridan und im östlichen New Mexico. Während des Studiums gewann er das „Intercollegiate National Bareback Riding Championship“. Ab 1970 wurde er professioneller Rodeoreiter und verdiente mit den gewonnenen Preisgeldern doch soviel, daß er damit seinen Lebensunterhalt finanzieren konnte. Zu der Zeit, also Anfang der 70er Jahre, begann er auch bereits mit dem Schreiben von Songs über das Leben eines Rodeoreiters. Seine erste Komposition war „Bareback Jack“, ein Titel, in dem er den Wusch Rodeo-Reiter zu werden beschreibt —
Text:
When I was just a very young lad

I walked up and I told my dad

A bareback rider´s what I want to be

I want the whole world to know about me …
— und es dauerte nicht lange, bis er genug Songs für ein Album zusammen hatte. Am 28. Oktober 1971 wurde das erste Album „Songs of Rodeo Life“ mit 11 Titeln veröffentlicht. Zusammen mit seinem Vater hatte er das Platten-Label „American Cowboy Songs“ gegründet und begann, wie oben schon erwähnt, seine Cassetten zu verkaufen. Als sich damit ein gewisser Erfolg einstellte, nahm er nicht mehr mit lokalen Musikern die Songs auf, sondern fuhr dafür nach Nashville, um dort mit Studiomusikern seine Songs aufzunehmen. Das brachte mehr „Professionalität“ in die Aufnahmen, obwohl man wirklich nicht sagen kann, daß die ersten Aufnahmen nicht gut waren!
Das selbst auferlegte harte Leben eines Rodeoreiters zahlte sich 1976 aus, als er in Oklahoma City das Finale des „World Bareback Riding Championship“ – die Weltmeisterschaft der Rodeoreiter (der „Professional Rodeo Cowboys Association – PRCA) gewinnen konnte. Danach machte er noch gute vier Jahre weiter, bis er im Jahr 1980 beschloß, sich wegen einiger – in den Jahren zugezogener Verletzungen – aber vor Allem auch, um mit der Familie enger zusammen leben zu können – aus dem Rodeo-Geschäft auszusteigen. Er ließ sich mit seiner Familie auf einer kleinen Ranch bei Kaycee, WY. nieder und begann vermehrt mit dem Songschreiben und er widmete sich dem Leben eines Country-Music Interpreten, er trat bei Konzerten auf. So ca. 2 Jahre später, also 1982, hatte er bereits über 250 000 Exemplare seiner selbst heraus gegebenen Alben verkauft. Bis Ende der 80er Jahre hatte er es auf die Anzahl von 22 Alben gebracht, doch er hatte bis dahin immer gezögert, einen Plattenvertrag bei einem Major-Label zu unterschreiben, weil er seine Unabhängigkeit behalten wollte. Das war dann aber 1989 mit einem Schlag nicht mehr möglich!


Nachdem Garth Brooks, der ihn als seine wohl größte Beeinflussung bezeichnet, ihn namentlich in seinem Hit-Song „Much Too Young (To Feel This Damn Old)“ genannt hatte —
Text:
… The worn out tape of Chris LeDoux, lonely women and bad booze
Seem to be the only friends I´ve left at all …
— wurde das Interesse der Öffentlichkeit an ihm zu stark und so unterzeichnete er bei dem zur Capitol-Gruppe gehörenden Liberty Label. Auf diesem Label erschien dann mit dem Album „Western Underground“ 1991 sein „national debut“! Diesem ersten Album folgte bereits ein Jahr später, 1992, die No. 2 mit „Watcha Gonna Do With a Cowboy“, das ein Duett mit Garth Brooks als Titelsong beinhaltete! Die Single-Auskoppelung brachte ihm seinen ersten (aber leider auch einzigen) Top Ten Country Hit und eine Grammy-Nominierung! Auch das Album erreichte die Top Ten Position und wurde mit einer goldenen Schallplatte ausgezeichnet!
Obwohl er einen solchen Erfolg nicht wieder erreichen konnte, nahm er doch fast jedes Jahr für das Liberty Label ein neues Album auf. Das Album „One Road Man“ von 1998 schaffte es immerhin noch unter die Top 40 Alben zu kommen und im Jahr 2000 veröffentlichte er auf dem Album „Cowboy“ seine ersten Songs – die in den 70er Jahren auf Cassette erschienen waren – als Neuaufnahmen. Es war das Jahr, in dem seine Leber-Probleme begannen, die schließlich zu der erfolgreichen Transplantation führten. Er genas nach der Operation wieder vollständig und kehrte in die Musik-Szene mit dem Album „After the Storm“ im Jahr 2002 zurück. Im gleichen Jahr erschien dann noch ein „6 CD – Set“: „The Capitol Collection (1990 – 2000)“ auf der die in diesen Jahren veröffentlichten 6 Alben enthalten sind und dazu zusätzlich auf jeder CD ein neuer Song. Am 22. Juli 2003 erschien mit „Horsepower“ sein letztes Album mit neuen Songs. Zu diesem, seinem 36. Album sagt Chris selber: „Ich muß einen (fremden) Song hören und er muß mich dann auf diese oder jene Art und Weise berühren. Es muß (vom Text her) etwas sein, woran ich glauben oder es nachvollziehen kann. Diesmal haben wir es geschafft, einige großartige Cowboysongs zu finden. Es ist gar nicht so einfach, solche Songs mit möglichst wahren Geschichten aus dem Leben im Westen oder aber über die Rodeo-Szene zu finden, die auch glaubhaft erscheinen.“ Und ob ein solcher Song glaubhaft sein kann, das kann Chris sicher als ehemaliger Rodeo-Champ ganz gut beurteilen!
Es ist – zumindest unter seinen Fans – ein offenes Geheimnis, daß Chris sein ganzes Leben lang seine Liebe zur Musik mit der Liebe zum Westen verbunden hat! Er selber hat immer Songs über das Rodeo – Leben – das er ja selber geführt hat – geschrieben und mußte feststellen, daß es eine ganze Menge Leute gibt, die die Songs darüber hören wollen. Und unter diesen Leuten sind so berühmte Kollegen von ihm, wie Garth Brooks und Toby Keith, die beide seine Musik über Alles schätzen. Inzwischen hat er über 6 Millionen Alben verkauft!
Auch wenn er die letzten Jahre nicht mehr als Rodeo Reiter aktiv war, war er es doch immer noch auf seiner Ranch, wo er stets selber als Cowboy Hand mit anlegte.
Nachdem sein Album „After the Storm“ etwas ruhiger war, als man eigentlich von ihm gewöhnt war, so ist er bei „Horsepower“ auch wieder zu den rockigeren Songs zurückgekehrt. Sein alter Freund Toby Keith, der bereits 1994 mit ihm zusammen auf dem Song „Copenhagen“, einer „Ode an den Kautabak“ zu hören war, hat für dieses Album den Titel „Rodeo Moon“ beigetragen. Ein Song – direkt für Chris geschrieben – der auf jener Zeit basiert, als Chris und seine Frau Peggy noch nicht lange verheiratet waren und das Leben von „Rodeo – Vagabunden“ führten. Auf diesem Album „Horsepower“ hat Chris dann auch mal etwas ganz Anderes (stilmäßig) ausprobiert. Zusammen mit Jo-El Sonnier hat er mit „Pass My Hat“ einen Cajun – Song aufgenommen.

Weiter Oben hatte ich ja schon erwähnt, daß er sich im Jahr 2002 nach der Lebertransplantation, die wegen einer seltenen, aber sehr gefährlichen Lebererkrankung nötig wurde, vollständig wieder erholt hatte. Aber der Krebs war nicht entgültig besiegt – er hatte sich irgendwo noch im Körper befunden und schließlich den Gallengang befallen. Zwar wurde diese Geschwulst (Cholangiom) bei einer Nach-Untersuchung im November 2004 entdeckt und auch sofort behandelt (Chemotherapie usw.) aber es war wohl doch schon zu spät gewesen. Alle Versuche ihn zu retten, sollten nicht mehr den erwünschten Erfolg erbringen.
Vor der Öffentlichkeit wurde diese neue Erkrankung so lange wie möglich verschwiegen, nur wenige Eingeweihte wussten davon. Aber Chris selber war sich darüber im Klaren, daß er den Kampf gegen diese bösartige Krankheit nicht gewinnen konnte. In der ersten Märzwoche mußte er sich dann in´s Krankenhaus begeben und am 09. März, sieben Monate vor seinem 57. Geburtstag hörte das Herz dieses großartigen Sängers/Songwriters und Rodeo-Cowboys auf zu schlagen. Außer seiner Familie war auch sein langjähriger Freund Garth Brooks an seinem Krankenbett, als es mit ihm zuende ging. Chris hinterlässt seine Ehefrau Peggy und fünf Kinder – aber auch sein Vater hat ihn überlebt.
Er selber hat noch bestimmt, daß er eingeäschert werden möchte und das sein Begräbnis in aller Stille stattfinden solle. Und diesem, seinem letzten Wunsch wurde auch entsprochen. Die Einäscherung erfolgte am Donnerstag, den 11.3. und am Montag, den 14.3. wurde seine Urne beigesetzt.
Mit ihm hat die Country-Music Szene den wohl letzten (?) echten Vertreter der Cowboymusic verloren. Viel zu früh ist er von uns gegangen, aber er wird seinen Freunden und den Freunden seiner Musik für immer unvergessen bleiben! Chris, wir vermissen Dich!

Dieter Mühlena

CHRIS LEDOUX DISCOGRAPHI

1972 Songs of Rodeo Life
1974 Songs of Rodeo and Country
1975 Rodeo and Living Free
1975 Life of a Rodeo Man
1976 Songbook of the American West
1977 Sing Me a Song, Mr. Rodeo Man
1978 Cowboys Ain´t Easy to Love
1978 Paint Me Back Home In Wyoming
1979 Western Tunesmith
1980 Sounds of the Western Country
1981 He Rides the Wild Horses
1982 Used to Want to Be a Cowboy
1983 Old Cowboys Classics
1983 Thirty Dollar Cowboy
1984 Melodies and Memories
1986 Wild and Wooly
1987 Gold Buckle Dreams
1988 Chris LeDoux and the Saddle Boogie Band
1989 Powder River
1991 Western Underground
1992 Watcha Gonna Do With a Cowboy
1993 Under This Old Hat
1994 Best of Chris LeDoux
1994 American Cowboy 1972 – 1994 (3 CD – Set)
1994 Haywire
1995 Rodeo Rock And Roll Collection
1996 Stampede
1997 Chris LeDoux Live
1998 One Road Man
1999 20 Greatest Hits
2000 Cowboy
2002 After the Storm
2002 The Capitol Collection 1990 – 2000 (6 CD – Set)
2003 Horsepower
2004 20 Originals: The Early Years

Eine komplette Discographie mit den einzelnen Titeln zu jedem Album ist im Internet unter:
www.ledouxcountry.com/discography/index.html zu finden. Dieter Mühlena

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