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Jimmy Donley

BORN TO BE A LOSER

In der Vergangenheit gab es viele Künstler, deren Talent nicht gebührend anerkannt wurde. Manch einem widerfuhr aber nach langer Zeit Gerechtigkeit. Jimmy Donley fällt in diese Kategorie. Er war ein talentierter Künstler und Songwriter. Noch heute gilt er als hervorragender Vertreter des Rock’n’Roll bzw. dessen Swamp Pop-Ausdrucksform.

Am 17. August 1929 erblickte James Kenneth Donley das Licht der Welt. Aufgewachsen ist der Junge in Jonestown, Mississippi. Der Ort liegt in der Nähe von Gulfport. Jimmy’s Kindheit deckt sich in etwa mit derjenigen von Elvis. Denn Jimmy’s Mutter, Myrthe, widmete ihre ganze Aufmerksamkeit ihrem Sohn. Sie ermutigte ihn
z.B. zu den ersten musikalischen Eskapaden. Jimmy’s Vater, Tag, übernahm die Rolle von Vernon Presley. Für seinen Jungen hatte er den typischen „Ich-hab’-noch nie-einen-Sänger-gesehen-,-der-irgendwas-wert-gewesen-wäre“-Spruch auf Lager. Mit 14 Jahren ging Jimmy von der Schule ab. Er wurde Fernfahrer, arbeitete nebenbei im Hafen von Gulfport. Hier entlud er mit Bananen beladene Schiffe. Die harte körperliche Arbeit setzte dem Teenager zu – trotzdem beschäftigte er sich weiterhin mit Musik, auf die er insgeheim setzte.
Bereits ein ausgezeichneter Musiker, verbrachte Jimmy seine Freizeit damit, wann immer er konnte, aufzutreten. Gleichzeitig schloss er sich Myrtle und ihrer jüngeren Schwester Myrna immer enger an.
1948, als er vom Militär eingezogen wurde, nahm Jimmy Donley’s Leben eine Wende. Er hielt es in der Fremde kaum aus. Seine Mutter und die wohl vertraute Umgebung fehlten ihm sehr. Nicht lange, und er nahm zwecks Ablenkung Drogen. Damals machten sich erste Anzeichen von Schizophrenie bemerkbar.
1949 kam es zur ehrenlosen Entlassung aus der Armee. Verrückte Heiraten, Schlägereien und Scheidungen folgten in rauen Mengen. 4 Ehefrauen liess Jimmy Donley innert 4 Jahren hinter sich. Wahrscheinlich deprimierte ihn schon der Gedanke, dass er Geld für Hochzeitsringe ausgeben musste.

Anfangs der 50er Jahre sang und komponierte der angehende Künstler weiterhin Stücke. Jimmy Donley glaubte an den ganz grossen Durchbruch, an das Vermögen, das er dann verdienen würde. Seine Familie sollte ja abgesichert sein.
Als ihn die Mississippi Promotoren Pee Wee Maddux, Frank „Yankee“ Barhonevich und Marion „Prof“ Carpenter dem Decca Mann Owen Bradley vorstellten, glaubte Jimmy Donley, seine Zeit sei gekommen. Auf den 26. Februar 1967 wurde die erste Session in Bradley’s Studio von Nashville einberufen. Dank Unterstützung der besten Musiker von Nashville konnte die Session erfolgreich abgeschlossen werden.

Die ersten Decca-Single, die aus dieser Session hervorging,wurde Come Along. Die Nummer diente als A-Seite. Kickin‘ My Hound Around suchte man für die B-Seite aus.

Come Along war ein Rockabilly mittleren Tempos. Brenda Lee’s Bigelow kommt dem Song sehr nahe. Die B-Seite war um einiges stärker, trieb doch Boots Randolph’s Sax den Song, von den Anita Kerr Singers unterstützt, voran.

Die zweite Session fand am 26. Juni statt. Aus ihr gingen die nächsten Singles, Trail of the Lonesome Pine und South of the Border, hervor.

Beide Nummern hielten sich an Tennessee-Rock’n’Roll, allerdings mit einer kräftigen Prise Swamp Pop aufgemischt. Mit Swamp Pop war Jimmy Donley ohnehin stark verbunden.
Die nächsten Titel machten I Gotta Go und Baby How Long. Die A-Seite offerierte einen Stroller im Fats Domino Stil, die B-Seite erneut einen Rocker im mittleren Tempo. Jimmy konnte damit keinen Erfolg verzeichnen. Dessen ungeachtet überzeugten die Produkte anscheinend Decca von den Qualitäten des Mannes.

Am 21. November 1957 fand sich Jimmy Donley erneut in Owen Bradley’s Studio ein. Wiederum konnte er auf Boots Randolph und the Anita Kerr Singers zählen. An der Gitarre brillierte diesmal gar der wunderbare Hank Garland. Die Single, die aus der Session hervorging, zeigt denn auch dessen Talent (beim Rockabilly Please (Baby) Come Home) deutlich auf. Leider wurde die B-Seite, Born To Be A Loser, gleichzeitig zur akuraten Beschreibung von Jimmy Donley. Die Kredite gehen letztendlich dem A-Team zu. Der Gruppe gelang es gerade bei dieser Nummer, einen Sound erzeugen, der die Atmosphäre von Crowley, Louisiana, einfing.

An diesem Punkt befand sich Jimmy Donley’s Leben ausserhalb des Studios in einem miserablen Zustand. Depressionen und Wutanfälle wechselten sich ab. Für das Komponieren von Songs eignet sich dieser Gemütszustand zwar ausgezeichnet, aber auf jemandem, der ohnehin schon mentale Probleme hatte und offensichtlich unzählige Streicheleinheiten benötigte, konnte es sich nur negativ auswirken. Die nächste Single-Auskoppelung, Radio, Jukebox and TV verfehlte die Wirkung erneut. Erst im Nachhinein ist der Titel zu einem Swamp Klassiker geworden. Als B-Seite wurde I’m Alone, eine Ballade, die vor Herzschmerz nur so trieft, erkoren. Der pure, einsame Gesang komplimentiert die Anita Kerr Singers. War das schon eine gute Single, so fiel die nächste noch besser aus.
Für den Schreiberling dieses Artikels (Shaun Mather) wurde Jimmy Donley’s nächste Scheibe  eine der grössten doppelseitigen Hit-Singles aller Zeiten. The Shape You Left Me In kann als Jimmy Donley’s bester Rocker betrachtet werden. Die Nummer bietet einen vollen Sound. Es scheint in der Tat, als ob sämtliche Session-Musiker für dieses Stück alles gaben, was sie zu bieten hatten. Selbst wenn sie daran zweifeln mochten, dass Jimmy Donley je Hits landen würde. In Anbetracht des Jahres (1959) handelt es sich um perfekten Rock’n’Roll. Die Nummer kann mit den besten Arbeiten Jack Scott’s mühelos mithalten.
Wurde je eine Single nach dem benannt, was die exakte Situation des Künstlers reflektiert, so diese: What Must I Do. Die brilliante Ballade, wunderschön gesungen, bot sich als B-Seite geradezu an.

Die zweite Single des Jahres 1959, mit der faszinierenden Ballade Now I Know, verfehlte die Charts auf’s Neue. Jimmy’s Kopf muss ihn gemartert haben, als er zusehen musste, wie Brenda Lee den Song als Weep No More My Baby auf den Markt brachte. Die Rückseite der Scheibe zierte ein weiterer Swamp Bopper. Wiederum gab JD alles. Hier beweist er: Man konnte ihn zwar nach Nashville bringen, aber den Cajun austreiben, das wird keiner schaffen.

1959 war für Jimmy Donley ein gemischtes Jahr geworden. Einerseits kam er trotz 2 brillianter Singles nicht in die Charts, andererseits verbesserte sich Jimmy’s Liebesleben wesentlich, als er Lillie Mae Urgas am 30. Januar heiratete. Das Mädchen konnte weit besser als ihre Vorgängerinnen mit Donley’s Brutalität umgehen und doch litt sie mehr, als sie sollte. In kurzen Abständen verliess sie ihren Ehemann immer wieder.

Dito kriegte JD die nötige Inspiration zu Klassikern wie Think It Over, Please Mr Sandman und Forever Lillie Mae. Sämtliche Kompositionen entstanden in Momenten wie diesen.

 

In einer abgeklärten Welt wie dem Musik-Geschäft verwundert es nicht weiter, dass Decca allmählich die Geduld ausging. Die letzte Single, die Jimmy für das Label machen durfte, war ein schmählich gelungener Versuch, einen Teenager jener Tage darzustellen. Obwohl Jimmy dies ernsthaft probierte, konnten weder Our Love, noch My Baby’s Gone Eindruck schinden.
Für die A-Seite, am 14. April 1960 aufgezeichnet, wurde eine sanfte Ballade ausgewählt. Die Rückseite bestand aus orchestriertem Rock’n’Roll a la Roy Orbinson. Der Stil-Wechsel wurde augenscheinlich. Gleichwohl hätte Jimmy wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit erregt, wenn er seinen Namen einfach in Bobby abgeändert hätte.

Disillusioniert und ungeduldig begann Donley, seine Songs für ein Trinkgeld zu verkaufen. What A Price wurde im Sommer 1961durch Fats Domino aufgezeichnet. Die Nummer erreichte Platz 30. Fats hat danach noch 6 weitere Stücke von Jimmy gemacht. Die hieraus resultierenden Tantiemen sorgten für en wenig Stabilität in dessen Leben. Dann, am 15. März 1962, verstarb Jimmy Donley’s Mutter plötzlich.

Ihren Tod hat Jimmy nie verwunden. Der Legende nach verbrachte er unzählige Stunden an ihrem namenlosen Grab, spielte dort Gitarre und trank eine Flasche Whiskey dazu.
In Cosimo Matassa’s Studio von New Orleans kriegte Jimmy Donley eine weitere Chance. Denn hier traf er auf den Produzenten Huey Meaux. Dessen Erinnerung an Jimmy Donley fasste Huey einst folgendermassen zusammen: „Der einsamste Junge auf diesem Planeten. Er erinnerte mich sehr an den verstorbenen Hank Williams. Jimmy Donley komponierte Songs und sang sie in einem herzerwärmenden Stil. Manchmal schrieb er 8 Stücke pro Tag. Man gab ihm eine Idee ein und – Boom! Er kam mit einem Song an, der zu jedem Stil passte.“
Meaux veröffentlichte in den drauffolgenden Jahren ca. 9 Donley Singles auf seinem Tear Drop Label. Unter diesem liefen übrigens auch Rod Bernard und Gene Summers. Einmal mehr erreichte keine dieser Singles die Charts. Und dies obschon die Stücke exzellent waren und sich meist an den Swamp Pop Stil hielten, den Jimmy besser als jeder andere verkörperte.

1 Jahr und 5 Tage nach dem Tod seiner Mutter nahm sich Jimmy Donley das Leben. Eine beinahe willkommene Erlösung für einen von Pein erfüllten, aber brillianten Mann. So dass noch heute, 40 Jahre später, seine Songs in den Musikboxen von Südost-Texas und Louisiana zu finden sind.

Das Decca Material kam auf einer fabelhaften Charley Schallplatte im Jahr 1987 heraus, lassen aber auf die Veröffentlichung als CD lange warten. 1999 erschienen die Tear Drop-Arbeiten auf einer Edsel/Crazy Cajun CD.
Fan und Zeitgenosse Johnnie Allan schrieb zusammen mit  Dr. Bernice Webb ein Buch über Jimmy Donley’s Leben. In Hollywood gehen seit einiger Zeit sogar Gerüchte betreffend Verfilmung von Jimmy Donley’s Leben um.

Shaun Mather
shaky@shaunmather.wanadoo.co.uk
Dezember 2006  

Mehr von/über Jimmy Donley:

CD:

www.amazon.de

JIMMY DONLEY

Born To Be A Looser (Die Crazy Cajun Aufnahmen)

20 seiner besten Stücke ******
Biografie:
www.bear-family.de:

Johnnie Allan and Bernice Larson Webb,
Born to be a Loser: The Jimmy Donley Story
(Lafayette, LA: JADFEL Publishing, 1992).

15 x 22 cm, 271 Seiten DM 60.00

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