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John Hartford

Geb: 30. Dezember 1937

Gestorben: 04. Juni 2001

Musiker: Fiddle, Banjo, Mandoline, Gitarre, Sänger

Bekannteste Komposition: „Gentle On My Mind“

Schauspieler in: The Return of The Beverly Hillbillies (1981, TV): Fiddle-Spieler

Playboy After Dark (Episode Nr. 1.12 1969): Sänger

The Glen Campbell Goodtime Hour (1969) TV Serien: Begleit-Musiker

The Smothers Brothers Comedy Hour (1967) TV Serien:

Regelmässiger Mitspieler

Filmbiografie für: „O Brother, Where Are Thou“? (2000):
Spezielle Danksagung

Life On The Mississippi (1980)
Musikarrangement für die River Songs

John Hartford bleibt dank seiner Eigenkomposition „Gentle On My Mind“ in Erinnerung. Glen Campbell machte das Stück zu einem grossen Hit, doch auch Frank Sinatra oder Aretha Franklin haben eine Version in petto. Was den Popmusik-Sektor anbelangt, gehört „Gentle On My Mind“ zu jenen Nummern, die am häufigsten aufgezeichnet wurden. John erhielt jahrelang alleine für dieses Stück ca. $100’000/Jahr an Tantiemen zugesprochen.

Aber John war nicht der Typ, der sich auf seinen Lorbeeren ausruht. Das Multi-Talent war nicht bloss für eine einzigartige Mischung aus Folk-Musik und romantischer Nostalgie verantwortlich zu machen. Er hatte weit mehr zu bieten, als Songs zu schreiben, die die Perspektive eins heimatlosen Mannes aufzeichnen, der sich an Tage perfekter Liebe zurückerinnert.

John Hartford war ein multi-talentierter Old-Time Musiker. Aber auch Raddampf-Kapitän, sartirischer Schriftsteller und ein aussergewöhnliches Ein-Mann-Show Talent. John wird zudem als Gründer der progressiven Country Musik und der Old-Time String Musik Revival betrachtet, an und für sich schon Kontroverse genug.

John Hartford (das „T“ im Namen war Chet Atkins Idee) wurde 1937 in New York City geboren. Aber er wuchs in St. Louis, nahe dem Mississippi, seiner grossen Liebe, auf. Den ersten Job hatte der Knabe denn logischerweise als 10-jähriger auf einem Raddampfer inne. John mochte die traditionelle Country-Musik. Diese hörte er jeweils über’s Radio. Meist gelang es ihm, sich in die Live-Übertragung der Grand Ole Opry aus Nashville, TN, einzuschalten. Mit 13 Jahren war John bereits ein ausgezeichneter Fiddler und 5-String-Banjo-Spieler. Die wichtigsten Einflüsse übten Stringbean und Earl Scruggs auf ihn aus. Bald schon beschäftige sich der Kleine nebenbei mit der Mandoline- und dem Gitarrenspiel.

Noch auf der Highschool formierte John seine erste Bluegrass Band. Ein Jahr später trat er aus der Washington Universität aus, um sich ganz der Musik zu widmen, zog er diese doch einem Studium vor.

Zuerst fungierte John eine zeitlang als DJ, arbeitete zusätzlich als kommerzieller grafischer Künstler und trat in Missouri wie auch in Illinois auf.

Dann, anfangs der 60er Jahre, machte er ein paar kleine Singles für ein lokales Label.

1965 zog John mit Frau und Sohn Jamie nach Nashville. Auch hier arbeitete er erst einmal als DJ für WSIX. Nicht lange, und John traf auf die übrigen Architekten des Nashviller Songwriter-Zirkels. Dazu zählten Kris Kristofferson, Mickey Newbury und die Glaser Brothers. Letztere besassen gar ein eigenes Aufnahme-Studio.

Die Glaser Brothers waren es auch, die für John Hartford erstmals die Werbetrommel rührten. 1966 konnte John Hartford bei RCA einen Vertrag unterzeichnen. Hernach ging er ins Studio, um sein Debüt-Album zu machen. „Looks at Live“ wurde von Chet Aktins produziert. Johnny Cash in den Linernotes: „John Hartford ist sich selber. Keiner muss ihm sagen, wie er singen oder komponieren soll. Er hat seine eigene Welt.“

Nicht lange und John Hartford’s zweites Album erschien im Handel. „Earthwords & Music“ beinhaltete u.a. sein „Gentle On My Mind„. Aber auch andere Nummern des Werkes sprachen für John’s unabhängige Karriere als Solo-Künstler (und seinen Humor), z.B. „The Good Old Electric Washing Machine Circa 1943“.

1968 zog John nach L.A. Dort trat er regelmässig in CBS‘ Smother Brothers Comedy Hour, später in Glen Campbell’s Goodtime Hour auf. 1968 beteiligte er sich an den Alben Sweatheart of the Rodeo- und Dough Dillard’s The Banjo-Album. Ende der Dekade legte John seine Raddampfer-Kapitänslizenz ab. Finanziell konnte er sich dies dank den Tantiemen, die aus „Gentle On My Mind“ hervorgingen, ohne weiteres leisten.

Das war auch der Zeitpunkt, an dem John Hartford beschloss sein Leben fortan seiner künstlerischen Vision, die tief in der Country Musik Tradition verwurzelt war, zu widmen.

1971 kehrte John nach Nashville zurück. Hier formierte er eine Bluegrass Band mit Norman Blake, dem Dobro-Spieler Tut Taylor und dem Meisterfiddler Vassar Clements. Das akustische Aereo-Plain Album, das hieraus hervorging, erschien bei Warner Brothers. (Bzw. deren Tochtergesellschaft Morning Bugle). Die Arbeit wurde von progressiven Bluegrass-Musikern wie auch von der modernen Jam-Bewegung mit Begeisterung aufgenommen.

John indes suhlte sich nicht lange im Lob. Er jobbte inzwischen als Begleitmusiker bei James Taylor, Seal & Crofts und Hoyd Axton. 1975 war John Hartford auch Teil des Tennessee Jubilee Albums, u.a. neben Benny Martin und Lester Flatt.

Mitte der 70er Jahre arbeitete John als Solo-Künstler. Damals entwickelte er sein Markenzeichen, den Auftritt in Melone und schwarzer Weste. Zu dieser Zeit nahm John viele Nummern unbegleitet auf. Schliesslich erschien 1976 das nicht klassifizierbare Album Mark Twang. Damit gewann John Hartford einen Grammy für die beste ethische Aufzeichnung des Jahres. Diesem Solo-Album folgten viele weitere, die er alle für das in Chicago beheimatete Label Flying Fish schuf. Und obschon sich John vom kommerziellen Country deutlich abhob, lebte er weiterhin in Nashville. Hier arbeitete er oft als Session-Musiker, z. B. für Dillard’s Permanent Wave und Shel Silverstein’s The Great Conch Train Robbery. John war auch in den Opryland Theme Park involviert, legte er dort doch eine Raddampfer-Tour an.

Ende der 80er Jahre begann John gegen eine schwere Krankheit, die Lymphogranu-lamatose, anzukämpfen. Sie ist auch als Hodgkinsche Krankheit bekannt. Dabei handelt es sich um eine meist chronisch verlaufende, krebsartige Erkrankung des Lymphsystems. Trotzdem trat John bis kurz vor seinem Tode im Jahr 2001 auf. Dabei unterstützte ihn sein Sohn Jamie. Gemeinsam veröffentlichten die beiden alte Arbeiten auf dem Label Small Dog Barking. Seine letzten Alben, viele davon für Rounder, bergen individuelle Diamanten, etwa das 1998 veröffentlichte „Speed Of The Old Long Bow“. Dieses Werk war eine Hommage an den relativ unbekannten Fiddler Ed Haley. Dabei kopiert John den Musiker nicht nur, er bringt dessen Leben auch in die Lyriken ein.

Ein Kennenlernen von John Hartford, dem Mann und Musiker, verspricht das Video „Down From The Mountain“, eine Live-Aufzeichnung aus dem Ryman-Auditorium. Dabei spielt John Hartford den Gastgeber. Künstler die mitwirken, sind u.a.: Evelyn Cox, Sidney Cox, Suzanne Cox, Willard Cox, Nathan BestIssac Freeman, Robert Hamlett, Joseph Rice, Wilson Waters Jr., Larry Perkins, Emmylou Harris, Chris Thomas King, Alison Krauss, Colin Linden, Gilian Welch, Dave Rawlings und – last but not least – Ralph Stanley. Das Video ist eines der Besten, das ich je sah. Absolut mitreissend.

John Hartford verstarb am 4. Juni 2001 nach langem Leiden. Er hat sich da oben durch alles, was er uns hinterlassen hat, einen Platz auf dem Raddampfer neben seinem Idol, Mark Twain, gesichert.

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