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Martina McBride

Obwohl sie inzwischen an der Spitze der heutigen Country-Sängerinnen steht, will sich Martina McBride nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen und gibt sich nicht zufrieden mit den

Awards, die inzwischen ein ganzes Regal füllen. Dieses kleine Energiebündel zeigt auf ihrem achten Studio-Album „Martina“ einen noch tieferen, stärkeren und selbstbewussteren Sound und beweist damit, dass sie in Höchstform ist, aber den Höhepunkt noch nicht erreicht hat. Irgendwie hat sie es geschafft, ihre Perfektion noch mit dem zu ergänzen, was sie am besten kann: gefühlvoll ausgereifte Country-Songs mit ergreifenden, zeitlosen Themen vorzutragen. Damit baut sie ihre solide Basis, Songs zu schreiben, die heute sofort zu Hits werden und morgen zu den Standards gehören, weiter aus.

„Ich habe wirklich nur versucht, ein Album mit tollen Songs zu machen, weil das immer mein Ziel ist,“ sagt McBride. „Bei der Produktion wollte ich mehr den warmen Sound der alten Vinyl-Platten haben als den der sauberen, glatten, digitalen Aufnahmen.“


Die CD wurde in Nashville in einem Studio aufgenommen, das sie und Ihr Mann vor kurzem gekauft haben und deshalb sind die Aufnahmen auch heimischer und behaglicher Natur. Sie konnte stundenlang ohne Unterbrechung singen und zwischendurch Pausen machen, um für ihre Familie in der Studioküche zu kochen. Egal, ob es sich um „This One’s For The Girls,“ „So Magical“ oder „Wearing White“ handelt, diese CD ist „mehr Martinas Musik“, im wörtlichen und übertragenen Sinne. Das ist die Fortsetzung ihrer beeindruckenden musikalischen Reise und eine neue Stufe ihrer Entwicklung.

„Es ist einfach so, dass ich gerade sehr glücklich über meine Karriere bin,“ sagt sie. „Ich liebe Country-Music. Da fühle ich mich nicht eingeengt. Ich habe eine solide Karriere, die Schritt für Schritt aufgebaut wurde, und eine Familie. Ich weiß, dass ich da gut aufgehoben bin.“

Zweifellos ist es fast unmöglich, noch erfolgreicher zu werden. Sie ist in diesem Jahrzehnt das, was Reba McEntire in den 90er Jahren war – ein Standard, an dem alle gemessen werden. „Ich merke, dass ich jetzt einen anderen Stand in der Industrie habe,“ sagt sie. „Da ist ein Gefühl von Langlebigkeit. Wir haben einen Platz geschaffen. Wenn man mich mit Reba vergleicht, ist das ein unheimliches Kompliment, aber ich denke, ich bin noch nicht weit genug. Rebas Karriere ist ein solches Vorbild bezüglich der Langlebigkeit und Beständigkeit von Musik, die akzeptiert und erfolgreich ist und deren Album eine Klasse für sich ist. Ich sehe Reba als Modellbeispiel für jemanden, der überlebt hat, der seine Karriere mit Qualität aufgebaut und dadurch den Respekt seiner Fans, der Industrie und seiner Beobachter errungen hat. Wir wollen alle so sein wie Reba!“


Martina McBride hat den großen Vorteil, der Liebling der gesamten Musik-Industrie zu sein, wie die unzähligen CMA- und ACM-Awards als Sängerin beweisen. Songs wie „Independence Day,“ „Concrete Angel,“ „Love’s The Only House,“ und „A Broken Wing“ haben nicht nur einen musikalischen Aspekt, sondern enthalten auch soziale Themen. Mit ihrer ausdrucksstarken Sopranstimme verschafft sie sich Aufmerksamkeit für diejenigen, auf die sonst keiner hört und erreicht, dass wir uns mit Situationen auseinander setzen, die wir sonst lieber ignoriert hätten. Ganz gleich, ob es sich um Alkoholismus, häusliche Gewalt oder um Kindesmissbrauch handelt – diese mutige Risiko-Frau schreckt nicht davor zurück, die dunkelsten Seiten unseres Volkes aufzudecken.

Sie ist ständig der Liebling der Fans und hat fast 10 Millionen Albums verkauft, sechs Nr. 1-Hits gelandet und als Sängerin die besten Awards bekommen von Country Weekly, Radio & Records sowie den Billboard-Charts. Erst kürzlich wurde „Independance Day“ von den CMT-Fans auf Nummer 8 der 100 größten Songs der Country-Music gewählt. „Jeder Künstler träumt davon, Songs zu produzieren, die sich halten – Songs, die zeitlos sind und Klasse haben,“ sagt sie. „Die Tatsache, dass „Independance Day“ auf die Leute so einen Eindruck gemacht hat, gibt einem einfach ein gutes Gefühl. Ich glaube fest daran, dass Songs wie „Independance Day“ und „Concrete Angel“ mir vom Himmel geschenkt wurden. Ich bin eigentlich nur das Werkzeug, um mit diesem Song das zu bewirken, was zu tun ist – zu heilen, anzuregen oder zu ermutigen. Es geht dabei gar nicht um mich, sondern um den Song – ich bin nur die Glückliche, die diesen Song vortragen darf.“


Die elfjährige Sangeskarriere von McBride liest sich wie ein Textbuch über schrittweisen Starruhm. Während einige Künstler auf einen fahrenden Zug aufspringen, blieb McBride unbeirrt im Fahrersitz ihres Karrierewagens sitzen. „Ich bin wirklich jemand, der gern sein eigenes Schicksal bestimmt,“ sagt sie. „Das ist nicht leicht in einem Geschäft, in dem es so viele kreative Leute mit großartigen Ideen und jahrelanger Erfahrung gibt, die dir Ratschläge erteilen wollen. Aber was für den einen Künstler gut ist, ist nicht immer das Beste für den anderen. Zu wissen, was für einen selbst das Beste ist, auch dafür einzutreten und sich zu behaupten – das ist das Härteste in diesem Job, besonders dann, wenn man nicht den vorgegebenen „Regeln“ folgt. Manchmal ist das schwierig, aber man muss einfach bei seiner Überzeugung bleiben und trotzdem wissen, wann man flexibel reagieren muss. Das war etwas, was ich lernen musste – sich dem Kampf zu stellen.“


Ihre beiden Töchter helfen ihr dabei, mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben. Zuerst kommt ihre Familie, deshalb geht sie auf Tour, wenn ihre Kinder Sommerferien haben. Während der Schulzeit kann man McBride dabei beobachten, wie sie die Mädels in ihrem geliebten 1992er Honda zur Schule fährt. „Da bin ich einfach nur Mutter, und am Abend möchte ich, dass sie wissen, dass das Mama-Sein für mich das Wichtigste ist,“ sagt sie. „In der Familie kann ich nicht der große Star sein. Wir sind eine Familie und da sind wir alle gleich.“


Diese gemeinsame Gleichstellung ist das, was in ihrer ersten Single „This One’s For The Girls“ zum Ausdruck kommt. Im Song heißt es „Ja, wir sind im Innern alle gleich/von eins bis neunundneunzig. „Für mich sind diese Worte so wichtig,“ sagt McBride. „Jeden Abend bei meinem Live-Auftritt möchte ich, dass die Zuhörer das übernehmen. Ich bin wirklich nichts Anderes. Ich habe nur einen tollen Job, kann coole Kleidung tragen und habe ein Talent geschenkt bekommen. Das ist alles, es ist ein Geschenk, und wir haben alle irgendein Talent geschenkt bekommen. Eigentlich versuchen wir alle nur, das Richtige zu machen, um auf unsere Art die Welt zu verbessern.“


Diese starke Selbsterkenntnis beruht auf ihrer Kindheit, die sie auf einer Farm in Sharon, Kansas verbrachte und dort auch die Highschool zusammen mit nur neun Klassenkameraden abgeschlossen hat. „Ein großer Teil von dem, was ich heute bin, stammt aus meiner Kindheit,“ sagt sie. „Keiner ist besser als der Andere, und wenn du wirklich hart arbeitest, könntest du mit etwas Glück das erreichen, was du möchtest.“


McBride musste sehr früh hart arbeiten, weil sie mit der Band ihrer Eltern, The Schiffters, auf Tour durch Kansas und Oklahoma war. „Na ja, Tour ist eine schöne Übertreibung,“ gibt sie belustigt zu. „Wir haben den Hänger an das Auto gehängt und dann sind wir zum Auftritt gefahren, haben die Ausrüstung ausgeladen und aufgebaut, dann vier Stunden Musik gemacht, alles wieder abgebaut, aufgeladen und sind nach Hause gefahren. Wir Kinder kannten das so von klein an, aber selbst damals wusste ich, dass es etwas Besonderes war – nicht das, was Familien sonst so gemeinsam machten.“

Im Jahre 1990 zogen sie und ihr Mann John nach Nashville. John verlegte sogar seine örtliche Musikgesellschaft dorthin. Im Jahr darauf gingen John und Martina auf Tour mit Garth Brooks. John hatte den Job als Produktionsmanager und war mit seiner Firma verantwortlich für die Tontechnik der Konzerte und Martina verkaufte T-Shirts. Aber immer, wenn sie nach Nashville zurückkamen, arbeiteten sie an Martinas Demoband, um es den Record-Labels vorzulegen in der Hoffnung auf einen Vertrag.


Ihre Entdeckung gleicht der einer Legende: Sie schummelte ein bisschen bei der Wahrheit und schrieb „angefordertes Material“ auf den lila Umschlag, in dem sich ihr Demoband befand, und schickte es an RCA Records. Angefordert oder nicht, es war genau die Stimme, nach der RCA suchte und man bot ihr einen Vertrag an. 1992 brachte sie ihre Debut-CD heraus, „The Time Has Come.“ Aber erst mit der Single „My Baby Loves Me“ aus ihrem zweiten Album „The Way That I Am“ gelang es ihr, die Radiohörer zu gewinnen und einen Top 5-Platz zu landen.


1994 änderte sich ihr Leben schlagartig, als sie den Song „Independance Day“, für den sie einen Grammy-Award erhielt, herausbrachte – eine eindringliche Hymne mit brutaler Offenheit über die häusliche Gewaltbereitschaft. Das hat nicht nur ihre Karriere nachhaltig beeinflusst, es hat sie auch persönlich verändert. Seit fast zehn Jahren ist sie die nationale Sprecherin für die Opfer von Gewalttaten und arbeitet zusammen mit Organisationen wie National Network to End Domestic Violence, Domestic Violence Intervention Services, YWCA, ChildHelp USA, und Safe Haven Family Shelter.


Ihre Arbeit in diesem Bereich hat ihr die Anerkennung vieler Organisationen gegen häusliche Gewalt und der Medien eingebracht. Erst kürzlich erhielt sie für ihr Wirken eine Auszeichnung de Redbook-Zeitschrift „Mothers and Shakers“, weil sie die landesweite Aufmerksamkeit auf dieses Problem der häuslichen Gewalt gelenkt hat. Sie wurde ausgezeichnet zusammen mit Katie Couric, Cynthia Nixon, Stockard Channing und anderen. Außerdem erhielt sie die höchste Grammy-Auszeichnung, The Heroes Award, für ihre gemeinnützige Arbeit. Die bekannte Dichterin Maya Angelou übergab Martina diese Auszeichnung mit den Worten „Hier, nimm meine Hand, ich verehre dich.“

„Ich denke, es ist wichtig, dieses Talent, das mir Gott gab, zu nutzen und mein Leben, meine Karriere dafür einzusetzen, dass diese Welt besser wird,“ erklärt Martina. „Für mich ist das sehr leicht. Die wirklichen Helden sind diejenigen, die jeden Tag auf der Straße arbeiten und die Frauen, die den Mut haben, ihr eigenes Leben und das ihrer Kinder zu verbessern. Die Frau, die an solchen Plätzen und Unterkünften arbeitet, hat nicht die Möglichkeit, vor einer Million Menschen zu stehen und deren Aufmerksamkeit zu wecken. Ich bin diejenige, die das für sie tun kann.“


Obwohl McBride inzwischen als Stimme der Frauen bekannt ist, sagt sie, dass es eigentlich nicht ihre Absicht war, öffentlich für die Emanzipation zu kämpfen. „Ich denke nicht: ‚diese Songs sollen sich an Frauen richten‘,“ sagt sie. „Ich fühle mich zwangsläufig dazu hingezogen, die Gefühle von Frauen zu beschreiben. Das sollte eigentlich keine große Überraschung sein. Ich bin selbst eine Frau und daher ist das nur natürlich. Man beschreibt ja auch keinen Mann als der ‚der Songs für Männer singt‘. Wir tun das, was ganz normal ist. Ich denke nicht ‚ich muss jetzt eine Hymne für Frauen finden‘ oder ‚ich muss meine Stimme für alle Frauen sprechen lassen.‘ Aber ich bin froh darüber, dass Frauen meine Songs gefallen – und vielleicht gefallen sie auch den Männern.“

Aber nicht alle ihre Songs haben eine düstere Botschaft. Hits wie „I Love You,“ „Safe
in the Arms of Love,“ „Wild Angels“ und „Happy Girl“ zeigen ihre frohe, lustige Seite. Auf ihrem Album „Martina“ sind auch schnellere Rhythmen wie „So Magical“ und „This One’s For The Girls“ dabei, außerdem zärliche Liebeslieder wie „City of Love,“ „When You Love Me,“ und „Learning To Fall“. „In einem guten Liebeslied ist auch ein Teil Verletzlichkeit enthalten,“ erklärt McBride. „Da muss rüberkommen ‚Du bist ALLES für mich. Nur du kannst dieses Gefühl in mir wecken, sonst niemand.‘ Du willst, dass ein Anderer fühlt, was du fühlst. Ich denke, wenn ich das für eine Person, die ich liebe, singen kann, dann können das Andere auch.*


Obwohl sie zugibt, dass ihr die Auszeichnungen und die Anerkennung durch die Musikindustrie sehr gefallen, ist das doch nicht allein das, was sie motiviert, ihre Musik weiter zu entwickeln. „Was mich jetzt antreibt, ist der Wunsch, einfach so weiter machen zu können,“ sagt sie. „Ich liebe es, Alben zu machen und aufzutreten und Erfolg bedeutet für mich, dass ich weiterhin die Möglichkeit dazu habe. Ich weiß, dass es nicht ewig so sein wird. Aber ich möchte Erfolg haben, so lange es geht und damit in diesem Business arbeiten können.


Es ist McBride immer noch ein wenig unangenehm, über ihren derzeitigen Karrierestatus oder ihren Einfluss auf die Country-Music zu reden. Sie will sich lieber auf ihre Musik konzentrieren und auf ihre Familie. „Was als mein Vermächtnis im Gedächtnis bleiben sollte ist, dass es sich hier um eine Person handelt, die sich sehr um ihre Familie kümmerte und einige Lieder gesungen hat, die irgendwie anders waren,“ sagt sie. „Ich hoffe, man erinnert sich an mich als jemand, der immer Boden unter den Füßen hatte und der in seiner Karriere und anderen Menschen gegenüber immer ehrlich, aufrichtig und geradlinig war.“

Quelle:countrystarsonline/martina-mcbride.com

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