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Ruth Brown

Am 18. November 2006 verstarb Ruth Brown, ihres Zeichens Rhythm- & Blues Sängerin, in Las Vegas. Sie war 78 Jahre alt und hatte ihren festen Wohnsitz in Vegas. Ruth Brown verstarb an den Komplikationen nach einer Herzattacke und einer Streifung, welche sie nach einer Operation erlitt. Seit 29. Oktober 2006 wurde Ruth Brown künstlich am Leben erhalten.

Ruth Brown’s Karriere umfasste 6 Dekaden. Zuerst erschien sie als glänzende, bluesige Sängerin. Damals nannte man Ruth Brown „das Mädchen mit der Träne in der Stimme“. Dann, nach ein paar mageren Jahren, erschien sie als gesetzte, dominante schwarze Frau erneut auf der Bildfläche.

Ruth Brown’s Leben bestand aus harter Arbeit, Pech, Hingabe und Stil. Manchmal sagte man gar, dass R&B mit Ruth Brown gleichbedeutend sei.

Anfang der 50er Jahre wurden Ruth Brown’s Singles „(Mama) He Treats Your Daughter Mean“ und „5-10-15 Hours“ die einträglichsten Scheiben des flügge gewordenen Atlantic Record Labels. Denn: Ruth Brown klang, als wäre sie verletzt oder ganz im Gegenteil, als wäre sie mehr als begeistert – oder beides gleichzeitig. Ihre Stimme besass einfach alles: Kraft, Volumen – und sie war zu allem bereit.

Nachdem Ms. Brown’s Hits ausblieben, sang sie weiter, startete aber gleichzeitig eine Fernseh-, Radio- und Filmkarriere (in John Waters‘ Hairspray Streifen hatte sie die Rolle der DJ Lady Motormouth Maybelle inne). Auch am Broadway glänzte Ruth Brown. Hier gewann sie einen Tony Award für ihre Rolle in „Black And Blue“. Daneben arbeitete Ruth Brown in Klubs, gab Konzerte und erschien bis ins 21. Jahrhundert hinein an Festivals.

Ruth Brown kam als Ruth Weston am 12. Januar 1928 in Portsmouth, VA., zur Welt. Sie war das älteste von insgesamt 7 Kindern. Ihr Debüt gab sie im zarten Alter von 4 Jahren. Damals setzte sie ihr Vater, Chordirektor der lokalen Emmanuel African Methodist Episcopal Kirche, ans Kirchenpiano. In den Sommermonaten pflückte Ruth mit ihren Geschwistern zusammen Baumwolle auf der Farm ihrer Grossmutter in North Carolina.

1995 meinte sie: „Dabei wurde ich zu der starken Frau, die ich heute bin.“

Als Teenager machte sie ihrer Familie glauben, sie würde die Chor-Stunden besuchen, trat stattdessen aber in den U.S.O Klubs der nahe gelegenen Marine-Stationen auf. Mit 17 Jahren lief sie von zu Hause weg und arbeitete mit einem Trompeter namens Jimmy Brown zusammen. Dessen Geschlechtsname adoptierte sie, machte ihn zum eigenen Bühnennamen. Ruth heiratete ihn oder glaubte wenigstens daran, denn Jimmy war bereits gebunden. Trotzdem schuf sie sich als Ruth Brown im Musikgeschäft einen Ruhm. Der Name blieb ihr zu Lebzeiten.

1946 hörte der Big Band Leiter Lucky Millinder in Detroit von Ruth. Also stellte er das Mädchen für seine Band ein. In Washington, D.C. kündigte er ihr bereits wieder. Dort gestrandet, kriegte sie ein Engagement in den Crystal Caverns. Der DJ Willis Conover, der Jazz mit Hilfe des Voice Of America Radiosenders international berühmt machte, hörte von Ruth Brown. Also schlug er die Interpretin seinen Freunden bei Atlantic Records vor.

Doch vorderhand wurde Ruth Brown auf ihrem Weg nach New York City bei einem Autounfall schwer verletzt. Beinahe ein Jahr verbrachte sie im Hospital. Die Beine waren zerquetscht und sollten Ruth ihr ganzes Leben lang quälen. 1949 hielt sie auf Krücken ihre erste Session bei Atlantic ab. Damals entstand die Blues-Ballade „So Long“, die ein Hit wurde.

Ruth Brown wollte auch weiterhin Balladen singen, aber Atlantic verlangte schnelle Nummern von ihr. Während der Session „Teardrops From My Eyes“ erhob sie ihre Stimme. Damals nannte Herb Abramson von Atlantic Records diesen Ton „eine Träne“. Der Titel kam auf Platz 1 der R&B-Chart, der Klang wurde für Ruth Brown zum Markenzeichen weiterer Hits.

Anfangs der 50er Jahre war Ruth Brown die weibliche, dunkelhäutige Interpretin, welche sich am besten absetzen liess. Viele ihrer Songs wurden gecovert, sogar von weisshäutigen Sängern, etwa Patti Page und Georgia Gibbs. Der Pop-Sänger Frankie Laine sorgte für einen weiteren unsterblichen Übernahmen: Miss Rhythm.

In den 50er Jahren arbeitete sich Ruth Brown durch den Blues Zirkel. Damals erreichten viele ihrer Singles die R&B Top 10. Ms. Ruth konnte einen Cadillac fahren und stürzte sich in Romanzen mit diversen Künstlern, etwa dem Saxophonisten Wilis (Gator Tail) Jackson und dem Sänger Clyde McPhatter von den Drifters. (Ihr erster Sohn, Ronald, kriegte den Geschlechtsnamen Jackson. Jahre später beichtete ihm aber seine Mutter, er wäre Mr. McPhatter’s Sohn. Heute singt Ronald mit dem neuen Line-Up der Drifters zusammen).

1955 heiratete Ruth Brown Earl Swanson, einen Saxophonisten. Ihm gebar sie ihren zweiten Sohn, Earl. Die Heirat endete in Scheidung. Ihre beiden Söhne überlebten Ruth Brown übrigens: Mr. Jackson, der 3 Kinder hat, lebt in L.A. und Mr. Swanson in Las Vegas. 4 ihrer Geschwister überlebten die Blues-Sängerin ebenfalls: Delia Weston in Las Vegas, Leonard Weston in Long Island und Alvin und Benjamin Weston in Portsmouth.

Zu Beginn der 60er Jahre endeten Ruth Brown’s Hits. Sie lebte in Long Island, zog ihre Söhne auf, arbeitete als Hilfe für Lehrkräfte und Dienstmädchen. 3 Jahre lang war sie mit einem Polizeioffizier, Bill Blunt, verheiratet.

An den Wochenenden trat sie in Klubs der New York Gegend auf. 1968 entstand ein Album mit der Thad Jones-Mel Lewis Big Band. Obwohl ihre Hits Atlantic Records unterstützten – manchmal wurde die Firma auch das Haus, das Ruth baute, genannt – konnte sich Ruth Brown zu Hause nicht einmal ein Telefon leisten.

Der Komödiant Redd Foxx, dem sie einst aus einer finanziellen Klemme half, lud sie 1975 nach L.A. ein. Hier sollte sie die Gospel-Sängerin Mahalia Jackson in „Selma“ verkörpern, einem Musical über Zivil-Rechte, das er produzierte.

 

Ruth Brown sang auch in Las Vegas und gab dort ein niemals endendes Comeback. So verschaffte ihr der Fernsehproduzent Norman Lear z.B. eine Rolle in der Seifenoper „Hello, Larry“.

1982 kehrte Ruth Brown nach New York City zurück. Hier erschien sie in Off Broadway Produktionen, inkl. „Stagger Lee“. 1985 zog es die Sängerin nach Paris. Dort trat sie in der Revue „Black And Blue“ auf. Später ging sie mit dem Stück an den Broadway.

Allmählich begann Ruth Brown über die Verträge zu sprechen, die Musiker ihrer Generation einst unterzeichnet hatten. Dies auf der Bühne und in Interviews. Denn viele Hitmachende Musiker kriegten von ihrem Label damals keine Tantiemen zugesprochen. Kurz vor dem 40. Geburtstags-Konzert von Atlantic im Madison Square Garden (1988) stimmte das Label zu, Ruth Brown die wohlverdienten Tantiemen, die in 20 Jahren fällig geworden waren, auszuzahlen. Dasselbe gestand die Firma weiteren 35 Musikern zu.

Atlantic spendete auch nahezu $2 Millionen, um die Rhythm & Blues-Foundation zu gründen. Ziel war, Musikanten, die dringend Geld benötigen, Tantiemen sofort zu überweisen. Allerdings hat sich die Firma in jüngerer Zeit von dieser Institution und vor allem von deren Ziel zurückgezogen.

„Black And Blue“ erneuerte Ms. Brown’s Aufnahme-Karriere, denn die Künstlerin nahm nun für Labels wie Fantasy und Bullseye Blues auf. Ihr 1989 erschienenes Album „Blues On Broadway“ gewann einen Grammy für das beste weibliche Jazz-Werk. In den Radioshows „Harlem Hit Parade“ und „Blues Stage“ fungierte Ruth Brown zudem als Gastgeberin. 1995 veröffentlichte sie ihre Biografie, „Miss Rhythm“ (Dutton), geschrieben von Andrew Yule. Das Buch brachte den Gleason Award des Musikjournalismus ein. 1993 wurde Ruth Brown in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen.

Ruth Brown tourte ständig, sie trat in Konzerthallen, Kabaretts und bei Festivals in Erscheinung. In diesem Jahr nahm sie Songs für den Film von John Sayles namens „Honeydripper“ auf. Sie war auf dem Weg nach Alabama, wo sie ihre Rolle übernehmen sollte, als sie erkrankte.

Wir haben Ruth Brown am Rockabilly-Festival in Las Vegas gesehen. Und ich muss sagen, sie war nicht nur ausgezeichnet und hatte höchstens ihre Gesundheit, nicht aber ihre Stimme verloren, Ruth Brown war auch der dankbarste Mensch, den ich kannte. Tränen rannen ihr die Wangen herunter, als sie dem Veranstalter dankte, dass er sie ans Festival holte. Sie sei froh, sei sie nicht vergessen, meinte sie noch. Im Anschluss an ihren Auftritt gab sie denn Autogramme und tauschte mit jedem Fan ein paar Worte. Ruth Brown wird zumindest mir unvergessen bleiben.

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